Richtige Anwendung von Halcion

Viele Deutsche nehmen bei Schlafproblemen Medikamente wie Halcion (Triazolam). Welche Aspekte für die richtige Anwendung von Halcion zu beachten sind, lesen Sie hier.

Symbolbild für richtige Anwendung von Halcion

Eigenschaften

Halcion ist ein Schlafmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine, das vor allem für die kurzzeitige Behandlung von Schlafstörungen geeignet ist. Aufgrund seiner kurzen Halbwertszeit kommt es insbesondere bei Einschlafstörungen zur Anwendung.

Einnahme

Halcion ist unmittelbar vor dem Zubettgehen unzerkaut mit etwas Flüssigkeit einzunehmen. Es ist darauf zu achten, dass nach der Einnahme eine ausreichend lange Schlafdauer von 7 bis 8 Stunden gewährleistet ist. Ansonsten kann das Reaktionsvermögen und somit auch die Verkehrstüchtigkeit am Folgetag beeinträchtigt werden.

Erwachsene nehmen eine halbe oder eine ganze Tablette (=0,125 bis 0,25 mg Triazolam). Ältere Patienten sollten maximal eine halbe Tablette als Tagesdosis nehmen, da bei ihnen der Wirkstoff langsamer abgebaut wird.

Die gleichzeitige Einnahme anderer Schlaf-, Beruhigungs- oder Schmerzmittel sowie die Kombination mit Alkohol sind zu vermeiden, denn dadurch kann sich die Wirkung wechselseitig verstärken.

Häufige Nebenwirkungen

Häufige Nebenwirkungen sind Schläfrigkeit, Schwindel, Störungen der Bewegungsabläufe und Kopfschmerzen. Diese Effekte treten bei einem von zehn Patienten auf. Obwohl sie in der Regel harmlos sind, sind sie im gegebenen Fall mit einem Arzt abzuklären.

Halcion nach längerer Anwendung absetzen

Beim plötzlichen Beenden der Behandlung kann es mitunter zu Absetzerscheinungen kommen. Dabei können die Symptome, die für die Behandlung ursächlich waren, in verstärkter Form wieder auftreten. Als weitere Reaktionen sind außerdem Stimmungswechsel, Angstzustände und Unruhe möglich.

Das Risiko von Entzugserscheinungen ist nach plötzlichem Beenden der Therapie höher. Daher wird empfohlen, die Behandlung durch schrittweise Verringerung der Dosis zu beenden.

Abhängigkeit von Halcion auch bei korrekter Anwendung möglich

Die Anwendung von Halcion kann zur Entwicklung einer körperlichen und seelischen Abhängigkeit führen. Das gilt bereits für den Bereich der therapeutischen Dosierung. Das Risiko einer Abhängigkeit steigt mit der Dosis und der Dauer der Behandlung. Auch bei Patienten mit Alkohol- oder Drogenabhängigkeit in der Vorgeschichte ist dieses Risiko erhöht.

Patienteninfo: Richtige Anwendung von Halcion

Weitere Informationen

 

Halcion als Schlafmittel nur kurzfristig geeignet

Millionen Menschen mit Schlafproblemen schwören darauf. Auch der frühere US-Präsident George Bush verwendete Halcion als Schlafmittel, um nach langen Flügen seinen Jet-Lag zu behandeln. Die blaue Pille war zeitweise als das meistverkaufte Medikament seiner Art. Es gehört, wie auch Valium und Rohypnol, zur Gruppe der Benzodiazepine. Der aktive Wirkstoff ist Triazolam.

Verbreitung und Eigenschaften

In den meisten Ländern, darunter auch Deutschland, gibt es das Medikament nur auf Rezept. Es hat eine kurze Wirkungsdauer, was die Beliebtheit bei Vielfliegern wie dem vormaligen US-Staatschef erklärt: Die Leber baut die Substanz in nur fünf Stunden ab. Wer am Abend eine Pille schluckt, ist morgens wieder fit, wenn man den Angaben der Hersteller glauben darf.

48,9 Milliarden Dollar Umsatz erzielte Pfizer 2015 weltweit. Mehrere hundert Millionen dürfte die Firma an Halcion verdient haben. Mehrmals ist das Image der »blauen Bomben« ins Schwanken geraten. Berichte über schwere Nebenwirkungen beherrschten die Schlagzeilen vor allem im Großbritannien der 1990er Jahre. Die dortigen Behörden zogen im Jahr 1991 die Zulassung zurück (siehe www.arznei-telegramm.de/html/1991_10/9110086_01.html). Die Entscheidung wurde 1999, nach einem langen Rechtsstreit, durch den EuGH bestätigt. In Norwegen, Finnland und Argentinien wurde das Präparat ebenfalls verboten. In Frankreich und Spanien ist es nur noch in der Mini-Dosierung von 0,125 mg erhältlich.

Halcion in Deutschland

In Deutschland gab es ebenfalls Bemühungen, das Mittel vom Markt zu verbannen. Den Vertretern des seinerzeitigen Herstellers Upjohn gelang es jedoch, sämtliche Vorbehalte auszuräumen. Der Verbotsantrag wurde im Sinne des Pharmakonzerns abgelehnt. Die Schlummerpille ist hierzulande auch weiterhin auf Rezept erhältlich. Zu Beginn der Verhandlungen war der Upjohn noch in der Defensive. Es stand die Behauptung im Raum, der Konzern habe die internationalen Behörden durch manipulierte Daten getäuscht, und zwar im Zuge von Studien zu den Nebenwirkungen.

An fragwürdige Winkelzüge schienen anfangs auch die Experten im Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BGA) zu glauben. Auf Anweisung der Behörde ging die Staatsanwaltschaft dem Vorwurf der „Erschleichung einer Zulassung“ nach. Das Ergebnis: In nur 70 Fällen im gesamten Bundesgebiet waren Probleme nachweisbar. Die Zulassung des Medikaments wurde verlängert, ein Verbot abgelehnt. Trotzdem sah sich der Hersteller als Opfer einer Diffamierung: »Wir würden doch nicht absichtlich etwas auf den Markt bringen, an dessen Sicherheit und Wirksamkeit wir Zweifel haben.« Unisono mit den Unternehmen hielt die deutsche Ärztezeitung die Debatte für einen Sturm im Wasserglas. Die Mehrzahl der Anwender habe durch das Präparat keinerlei Nebenwirkungen erlitten.

Prominenten Personen wie den ehemaligen US-Präsidenten Bush rieten die Mediziner hingegen zur Vorsicht. Journalisten hatten beobachtet, dass die Aussprache des Politikers des Öfteren undeutlich klang. Der Schwächeanfall bei einem Bankett in Japan wurde ebenfalls den Nebenwirkungen der Pille angelastet. In der Folge ließ ein Sprecher des Weißen Hauses verlautbaren, dass sein Boss in Zukunft darauf verzichten werde.

Die 5-K-Regel

Mit dem Siegeszug der Z-Substanzen (Zopiclon, Zaleplon, Zolpidem) hat Halicon an Bedeutung verloren. Doch nach wie vor gibt es viele Ärzte und Patienten, die nicht darauf verzichten wollen. Dabei empfiehlt es sich, die 5-K-Regel zu beachten. Sie steht für »klare Indikation, kleinste mögliche Dosis, kurze Dauer der Verordnung, kein abruptes Absetzen, Kontraindikationen und Wechselwirkungen beachten«. So lassen sich die Risiken zwar nicht zu 100 Prozent vermeiden, aber immerhin auf ein Minimum senken.


Bild für Halcion als Schlafmittel
Halcion als Schlafmittel: eine gute Hilfe, aber mit Risiken behaftet

Halcion als Schlafmittel kaufen

Wer Halcion als Schlafmittel verwenden will, erhält es auf Rezept in der Apotheke. Bei manchen Shops kann man es sogar ohne Rezept kaufen:

Benzodiazepine und Z-Substanzen als Schlafmittel

Oft werden Benzodiazepine und Z-Substanzen als Schlafmittel eingesetzt. Mitarbeiter der Universität Göggingen führten in einem Fachkrankenhaus für Geriatrie ausführliche Interviews durch, um herauszufinden, wie Ärzte und Pflegekräfte die Nützlichkeit von Schlafmittel beurteilen. Es zeigte sich, dass Altenpfleger in dieser Hinsicht weniger kritisch sind als Ärzte.

Risiken und Nebenwirkungen

Benzodiazepine wie Diazepam (Valium) erhöhen das Risiko, durch Missgeschicke und Unfälle körperliche Schäden zu erleiden. Gleichgewicht und Koordination sind ebenso in Mitleidenschaft gezogen wie die kognitiven Funktionen. Langzeitanwendung führt zu Toleranzentwicklung und Suchtverhalten. Für Senioren mit degenerativen Gehirnerkrankungen oder mit pathologischen Atmungsformen sind Benzodiazepine nicht geeignet. Aus diesem Grunde sind sie von PRISCUS-Liste erfasst, einer Auflistung von Wirkstoffen, die für Menschen über 65 nur mit Vorbehalten verwendungsfähig sind.

Die Liste beinhaltet darüber hinaus auch Zolpidem, Zaleplon und Zopiclon, die sogenannten Z-Medikamente . Diesen Wirkstoffen sagte man anfänglich ein geringeres Risiko nach, doch heute bewertet sie die Mehrzahl der Fachleute als ebenso gefährlich. Zolpidem ist das am häufigsten verschriebene Schlafmittel.

Unterschiede bei der Risiko-Einschätzung

Eine deutliche Mehrheit von 57 % der Pfleger ist der Meinung, dass Benzodiazepine als hauptsächliche Arzneimittel zur Behandlung von Schlafstörungen gut geeignet sind. Bei den Z-Medikamenten sind es 66 %. Dem gegenüber sagen das nur 29 % der Ärzte. Rund die Hälfte vertritt den Standpunkt, dass Valium & Co. eher Nachteile als Vorteile bringen. Diese Einschätzung teilt von den Pflegern nur jeder dritte.

Über alle Berufsgruppen hinweg wird das Risiko-/Nutzen-Verhältnis der Z-Drugs für günstiger befunden. Dabei erklärten ca. 71 % der Ärzte und 82 % der Pfleger, dass der Nutzen größer ist als die Risiken. Unabhängig von der Qualifikation ist erkennbar, dass Mitarbeiter, die erst fünf Jahre oder kürzer in ihrem Beruf arbeiten, im Hinblick auf die Nützlichkeit der Medikamente mehr Zuversicht haben als erfahrene Kollegen.

Weitere Untersuchungen

Benzodiazepine sind, genau wie Z-Medikamente, rezeptpflichtig. Wie oft sie verordnet werden, steht geht aus der Untersuchung nicht hervor. Die Verabreichung der Präparate an die Krankenhauspatienten erfolgt normalerweise durch Pflegekräfte, doch es ist ihnen untersagt, sie nach eigenem Ermessen abzugeben. Für die Patienten sind sie ungeachtet dessen die ersten Bezugspersonen.

Die Forscher gehen davon aus, dass die Meinung der Pfleger das Verschreibungsverhalten der Stationsärzte beeinflusst. Aus ihrer Sicht besteht auf beiden Seiten – im Besonderen bei neuen Mitarbeitern  – noch Bedarf für Weiterbildung. In zukünftigen Untersuchungen will man Einsicht in Krankenakten nehmen und herausfinden, wie oft Schlafmittel verschrieben werden. Interessante Aufschlüsse sind unter anderem im Hinblick darauf zu erwarten, ob Ärzte nach der Entlassung eine Fortsetzung der Schlafmitteltherapie empfehlen. Es steht der Verdacht im Raum, dass dies in einige Fällen der Beginn einer langjährige Suchtkarriere sein könne.

Quelle und weitere Informationen

V. Weiß et al.: Benzodiazepine und Z-Substanzen als Schlaf- und Beruhigungsmittel in einem Krankenhaus. Anwendung aus der Sicht des ärztlichen und pflegerischen Personals. Deutsche medizinische Wochenschrift DWM 2016; 141 (13); e121–e126


Bild für Benzodiazepine und Z-Substanzen


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